Sonderpostwertzeichen-Serie „Street Art“
Innerfields
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Die sechste und zugleich letzte Briefmarke der Sonderpostwertzeichen-Serie „Street Art“ zeigt eines jener großformatigen Wandgemälde – in der Fachsprache werden sie „Murals“ genannt – mit denen Künstlerinnen und Künstler, die sich der Street Art zurechnen, den öffentlichen Raum gestalten, um ihn zu verschönern und für die dort lebenden Menschen sowie für Besucherinnen und Besucher attraktiver zu machen. Zu sehen ist das Mural „Dreiklang“, das seit Herbst 2021 die Giebelfassade eines vielstöckigen Wohnhauses in der Plattenbau-Großsiedlung Osdorfer Born im Westen Hamburgs ziert. Geschaffen wurde es von „Innerfields“, einem Berliner Künstlerkollektiv, das schon seit 1998 zusammen malt und aktuell aus Jakob Tory Bardou und Holger Weißflog besteht. Das „Dreiklang“-Motiv haben die Künstler gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Quartiers entwickelt. Es drückt aus, dass die Menschen sich um ihre Umgebung kümmern und einiges unternehmen, um sie wachsen und gedeihen zu lassen.
Die Street-Art-Künstler Jakob Tory Bardou und Holger Weißflog stammen aus der deutschen Hauptstadt, wo sie bis heute leben und ihr Atelier haben. Sie sind mit Graffiti aufgewachsen und sprühten bereits in den 1990er-Jahren – was damals nicht nur illegal, sondern verpönt und noch weit davon entfernt war, als Kunst zu gelten – und ab dem Jahr 2000 in der gemeinsam mit anderen Sprayern gegründeten Künstlergruppe „IWS“. Mittlerweile arbeiten sie seit über fünfundzwanzig Jahren zusammen und sind damit sehr erfolgreich. Ihre großformatigen Fassadenmalereien finden sich in vielen Ländern rund um den Globus und ihre kleineren Arbeiten auf Leinwand waren schon in München, Düsseldorf, Hamburg sowie Berlin zu sehen und wurden auch von Galerien in Österreich, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und den USA gezeigt. Innerfields haben zudem an diversen Kunstfestivals und Kunstprojekten im In- und Ausland, etwa in Georgien, Bulgarien, Belgien und Norwegen, teilgenommen. Darüber hinaus führen sie regelmäßig Auftragsarbeiten aus.
Der künstlerische Stil von Innerfields kann als figurativ, realistisch bis fotorealistisch und durchsetzt mit grafischen Elementen und Symbolen beschrieben werden. Er hat sich über die Jahrzehnte stetig weiterentwickelt, gilt als charakteristisch für das Künstlerduo und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Eines ihrer besonderen Talente liegt darin, vielschichtige Aussagen und komplexe Themen mit einem einzigen Bild darzustellen. Inhaltlich kreisen ihre Werke vor allem um die neuen Medien und die Frage, wie unser Umgang damit die Gesellschaft beziehungsweise das soziale Miteinander und sogar unsere Identität verändern. Ein weiterer Aspekt bezieht sich darauf, wie Technologien die Wahrnehmung beeinflussen. Damit wiederum korrespondieren die Entfernung und Entfremdung des modernen Menschen von seinem Ursprung, der Natur, durch die zunehmend technisierte und künstlich erschaffene Welt, die in den Arbeiten immer wieder aufscheinen. Auch Themen wie Krieg und Gewalt, Trauer und Verlust spielen eine wichtige Rolle.
Dabei ist es den Fassadenkünstlern ein zentrales Anliegen, in ihren durchaus politischen und gesellschaftskritischen Werken nicht mit erhobenem Zeigefinger aufzutreten. Vielmehr möchten sie Gefühle ausdrücken, Emotionen wecken und zum Nachdenken anregen. Nicht zuletzt deshalb gestalten sie ihre Arbeiten stets so, dass sie von allen Menschen dechiffriert und verstanden werden können. Letzteres gilt auch für das Mural „Dreiklang“, das im Hamburger Bezirk Altona im Stadtteil Osdorf an der Adresse Immenbusch 33 betrachtet werden kann. Es ist das Ergebnis eines Urban-Art-Wettbewerbs, den die SAGA Unternehmensgruppe, ein kommunales Wohnungsunternehmen, unter Beteiligung ihrer Tochtergesellschaft ProQuartier ausgeschrieben und zu dem sie fünf Kunstschaffende aus Deutschland eingeladen hatte. Innerfields konnte sich mit seinem Entwurf für das fünfhundert Quadratmeter große Wandgemälde, das sie in enger Abstimmung mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Siedlung gestaltet haben, durchsetzen.
Mit zweiundvierzig Metern ist „Dreiklang“ so hoch, dass man beim Vorbeilaufen lediglich eine farbige Fassade wahrnimmt und das Motiv erst aus einiger Entfernung erkennt. Dann jedoch bietet es nicht nur aufgrund seiner schieren Größe einen imposanten Anblick. Es versinnbildlicht mit der Gießkanne und dem Blumentopf, in dem die Siedlung wächst, die gemeinsame, generationenübergreifende Verantwortung der Menschen für die Entwicklung des Stadtteils und zeigt, welche Anliegen und Wünsche sie haben. So sind zum Beispiel eine S-Bahn und ein Verkehrsschild, mit dem in Deutschland verkehrsberuhigte Bereiche gekennzeichnet werden, zu sehen. Das Künstlerduo benötigte für die Erstellung des riesigen Wandgemäldes etwa vier Wochen. Mit zwanzig Zentimeter dicken Pinseln trugen sie nach und nach rund einhundertachtzig Liter Farbe auf. Sprühdosen kamen nicht zum Einsatz, um die Haltbarkeit des Kunstwerks zu erhöhen.
Das Mural „Dreiklang“ bietet mit seiner Betonung des sozialen Miteinanders in einem von Gemeinschaftsleben geprägten Wohnviertel gleichsam ein Spiegelbild zu anderen Werken des Künstlerduos Innerfield, in denen Jakob Tory Bardou und Holger Weißflog den zwischenmenschlichen Umgang im digitalen Zeitalter nicht selten in Symbolen der Vereinzelung und Absonderung darstellen.
Ein Kunstwerk mit Botschaft
Das 2021 entstandene Wandbild „Dreiklang“ wurde im Rahmen eines Urban Art Wettbewerbs der SAGA Unternehmensgruppe und ihrer Tochtergesellschaft ProQuartier realisiert. Eine Jury, bestehend aus Vertretern der SAGA, des Stadtteils, des Bezirks sowie Kunstexperten, wählte das Konzept des Berliner Künstlerduos Innerfields – bestehend aus Jakob Tory Bardou und Holger Weißflog – zum Gewinner.
Das Werk thematisiert das Zusammenleben verschiedener Generationen und zeigt drei Menschen, die sich aktiv um ihren Stadtteil kümmern. Der Osdorfer Born wächst symbolisch in einem Blumenkasten, während sich markante Elemente des Viertels – wie das Wasser des Schack-Sees oder die Silhouette der Hochhäuser – in der Gestaltung wiederfinden. Sogar der lang gehegte Wunsch nach einer S-Bahn-Anbindung wurde künstlerisch integriert. Die fotorealistische Darstellung und die identitätsstiftende Einbindung echter Bewohner des Stadtteils machten das Werk zu einem besonderen Highlight der Urban Art Szene.
Ein Kunstwerk auf Reisen
Auch die Künstler selbst freuen sich über die besondere Würdigung: „Es ist eine große Ehre, dass unser Wandbild nun als Briefmarke durch die ganze Republik reist. Besonders freut uns, dass ein Kunstwerk, das für den Stadtteil geschaffen wurde, nun deutschlandweit sichtbar wird“, erklären Jakob Tory Bardou und Holger Weißflog von Innerfields.
Die Sonderbriefmarke wird ab dem 1. März 2025 in vielen Postfilialen erhältlich sein, unter anderem in der Bornheide 45. Weitere Verkaufsstellen sind über die Website der Deutschen Post abrufbar: